DAS AUDIT "Pflegeberufe"

Gute Ausbildung im Gesundheitssektor

Was zeichnet eine gute Pflegeausbildung aus?

Qualifiziertes Pflegepersonal ist bereits heute knapp. Selbst aktiv werden und qualitativ hochwertig ausbilden ist ein wirksames Mittel gegen den drohenden Pflegenotstand in Krankenhäusern und Einrichtungen der Altenpflege. Doch es wird immer schwieriger, genügend geeignete junge Menschen für eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in, Kinderkrankenpfleger/in oder Altenpfleger/in zu gewinnen. Wer heute und in Zukunft beim begehrten Pflegenachwuchs punkten möchte, sollte nicht nur für gute Arbeitsbedingungen sorgen, sondern von Anfang an mit einer Top-Ausbildung überzeugen. Was aber zeichnet eine gute Ausbildung aus?

Das BEST PLACE TO LEARN®-Qualitätsmodell für Pflegeberufe gibt Deutschlands Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ihren Schulen einen umfassenden Orientierungsrahmen für eine gute Berufsausbildung. Es nimmt sowohl die Rahmenbedingungen und Qualifizierungsprozesse der Ausbildung, aber auch deren Ergebnisse und Wirkungen in den Blick (Input-, Prozess-, Output- und Qutcomequalität).

Bei der Architektur des Modells wurde Bezug genommen auf aktuelle und wegweisende Konzepte des Qualitätsmanagements in der beruflichen Bildung. Erkenntnisse aus Forschungsprojekten zur Ausbildungsqualität und Kompetenzentwicklung flossen in das Modell ein.

Nach dem Qualitätsmodell von BEST PLACE TO LEARN® zeichnet sich eine gute Ausbildung in der Pflege dadurch aus, dass die beteiligten Ausbildungspartner insbesondere

  • über ein professionelles Recruiting verfügen,
  • Azubis durch gezielte Maßnahmen des Onboardings rasch integrieren,
  • eine verlässliche Ausbildungsplanung und -steuerung gewährleisten,
  • das schulische Lernen nach den neuesten pädagogisch-didaktischen Grundsätzen durchführen,
  • das praktische Lernen nach zentralen Leitprinzipien gestalten (s.u.).
  • über bestens qualifizierte Praxisanleiter und Lehrkräfte verfügen sowie
  • eine vitale, transparente und wirksame Lernortkooperation garantieren.

Diese Gestaltungselemente bilden die Grundlage dafür, dass Auszubildende eine hohe berufliche Handlungskompetenz erwerben können.

Worauf kommt es beim Lernen in der Praxis an?

  • Produktive Lernzeit

    „Aus Erfahrung wird man klug“, so sagt der Volksmund. Das gilt besonders für die berufliche Ausbildung. Denn einen Beruf erlernt man letztlich immer praktisch und unter realen Bedingungen. Darum wird das Lernen im Arbeitsprozess auch als Herzstück der Berufsausbildung verstanden. Ein wichtiger Indikator zur Bewertung der Qualität des praktischen Lernens ist deshalb die sog. produktive Lernzeit. Je höher deren Anteil an der Gesamtausbildung, desto besser.

  • Fachliches Ausbildungsniveau

    Eine hohe produktive Lernzeit wirkt sich aber nur dann positiv auf die Pflegeausbildung aus, wenn die Auszubildenden dabei fachlich herausgefordert werden und sie neue Arbeitserfahrungen sammeln können. Um einen kontinuierlichen Kompetenzzuwachs zu gewährleisten ist es wichtig, die Anforderungen im Ausbildungsverlauf zu erhöhen. Guten Praxisanleitungen gelingt es, den Schwierigkeitsgrad von Arbeitsaufträgen richtig zu dosieren und dabei die Komplexität der Aufgaben zu steigern..

  • Vollständige Arbeitshandlung

    Eine Arbeitsaufgabe gemäß des Pflegeprozesses vollständig zu bearbeiten – von der Vorbereitung über die Maßnahmenplanung bis zur Evaluation – ist das A und O professioneller Pflege. Gut ausbildende Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sorgen deshalb dafür, dass ihre Azubis möglichst frühzeitig komplexe Pflegeaufgaben erhalten und nach dem diaktischen Prinzip der vollständigen Arbeitshandlung selbstständig durchführen.

  • Lernen im Geschäftsprozess

    Jede Pflegeleistung ist eingebettet in einem Geschäftsprozess. Im Zentrum steht immer der Patient, der mit der Qualität der Pflege zufrieden sein muss. Durch die betrieblichen Geschäfts- und Pflegeprozesse werden daher nicht nur die Maßstäbe für die Qualität der pflegerischen Arbeit, sondern auch für die Ausbildung gesetzt. Deshalb ist es immens wichtig, dass Azubis in der Pflege ihre Tätigkeiten in den betrieblichen Gesamtprozess einordnen können und wissen, was die vor- und nachgelagerten (diagnostischen) Maßnahmen sind.

Was wird gemessen?

7 Qualitätsbereiche – 87 Qualitätskriterien: Das Qualitätsmodell „Pflegeausbildung“ von BEST PLACE TO LEARN®

Wie wird die Ausbildungsqualität ermittelt?

Das 360°-Feedback

Um Ihre Ausbildungsqualität zu messen und zu bewerten, holen wir über eine anonyme Befragung individuelle Einschätzungen von allen am Ausbildungsprozess Beteiligten ein. Hierzu gehören die Lehrkräfte der Pflegeschule, die Praxisanleiter, die Auszubildenden des 2. und 3. Lehrjahres sowie ehemalige Auszubildende, deren Abschluss nicht länger als drei Jahre zurückliegt.

Jede Befragungsgruppe erhält einen separaten Fragebogen mit standardisierten Aussagen zu den einzelnen Qualitätskriterien des Qualitätsmodells von BEST PLACE TO LEARN®. Jede Aussage muss bewertet werden. Über ein Freitextfeld können individuelle Anmerkungen gemacht werden. Die Bearbeitung der Fragebögen dauert ca. 30 – 40 Minuten.

Die Form der Umfrage

Um den Bearbeitungs- und Auswertungsprozess möglichst einfach zu gestalten, finden die Befragungen online über unser Befragungstool statt. Zur Bearbeitung erhält jede Befragungsgruppe einen gesonderten Zugangscode. Auf Wunsch stellen wir Ihnen aber auch gerne die Fragebögen in ausgedruckter Form zur Verfügung.

Wer erhält das Gütesiegel?

Die Bewertung der Qualitätsaussagen (Items) anhand einer 7er-Skalierung bildet die Grundlage, um das Gesamtergebnis zu ermitteln. Die Befragten positionieren sich dazu, in welchem Maße sie einer Aussage zustimmen oder nicht. Jeder Bewertungsmöglichkeit wird ein Punktwert zugeordnet. Um erfolgreich als BEST PLACE TO LEARN zertifiziert zu werden, ist eine Mindestpunktzahl zu erreichen.

Das Gütesiegel wird ausschließlich mit den Prädikaten „gut“, „sehr gut“ und „Exzellenz“ vergeben. In gewissen Fällen ist eine Zertifizierung mit Auflagen verbunden. In diesen Fällen muss das Krankenhaus und ihre Pflegeschule einen Maßnahmenplan vorlegen, wie und in welchem Zeitraum die ermittelten Schwächen bearbeitet und behoben werden sollen.